Die Texte der Gewinner für Hamburg

Rund um die SK-Buchtour in Deutschland

Moderator: Roland of Gilead

Die Texte der Gewinner für Hamburg

Beitragvon theklaus » So 10.Nov.2013 16:43

M&G für Hamburg
Andreas:
Durch Zufall. Verfilmungen seiner Geschichten kannte ich schon von Kindheit auf. Friedhof der Kuscheltiere, Shining, Lagoliers und auch ES liefen des öfteren im Fernsehen. Aber erst durch die Taschenbuchveröffentlichung von ''Duddits'' lernte ich auch seine geschriebenen Werke kennen. Im Nachhinein nicht der schönste Einstieg in die Kingliteratur, aber dennoch gut genug, dass ''Das letzte Gefecht'' der zweite Roman von ihm wurde, wodurch ich zu einem treuen Fan geworden bin. Die besondere Faszination liegt darin, dass King seine Charaktere detailiert und glaubwürdig darstellt. Keine vor Schönheit strotzenden Vampire, keine perfekten Familienangehörigen. Gewöhnlichen Menschen gerät die Welt aus den Fugen. Es ist dabei besonders beeindruckend, dass in vielen Werken der Horror aus ziemlich alltäglichen Begebenheiten entsteht, dass nicht das Ungeheuer das eigentlich schreckliche ist, sondern die Reaktion der Menschen darauf, beziehungsweise das Unvermögen der richtigen Reaktion. Es ist die schier unendliche Welt von Kings Handlungen, die nicht nur verteilt über die USA - jeder Bundesstaat wurde mindestens einmal erwähnt - sondern auch über Mittwelt und andere Parallelwelten hinweg stattfinden. Und dennoch gibt es Orte, die zu Schlüsselplätzen werden, die komplett frei erfunden einen Platz inmitten von Maine haben und durch King für uns so real wirken wie das Dorf in dem wir aufgewachsen sind. Sollte die Jury so gnädig sein und mich auswählen, würde ich gern am Meet & Greet in Hamburg teilnehmen. Ich hoffe, die Jury hat derweil viel Spaß beim Auswählen der besten Geschichten.
Ilona:
Nachdem sich meine Eltern haben Scheiden lassen als ich etwa acht oder neun war, war ich oft im Keller, um in den alten Kartons meines Vaters zu stöbern. In einem dieser Kartons waren viele Bücher, unter anderem auch Cujo. Ich nahm das Buch mit in mein Zimmer, weil mir zum einen das Cover gefiel und weil ich dachte, ich würde so etwas lesen, was mein Vater auch gelesen hat und ich ihm so nahe sein könnte. ( Jahre später las ich dann "Das Leben und das Schreiben" und dachte mir, dass es bei Stephen King selbst nicht viel anders war - er fand Kisten seines Vaters auf dem Dachboden. Die Welt ist gespickt von Zufällen, nicht wahr?!) Ich las das Buch und war fasziniert von der Tatsache, dass der Junge stirbt. Damals hatte ich die kindliche Vorstellung, dass Kinder niemals sterben, ja gar nicht sterben können. Und nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte und zur Seite legte, wusste ich, dass - wenn Kinder in einer Geschichte sterben können - ich wahrscheinlich auch sterben könnte. Und gleichzeitig wurde mir klar, dass es Kinder gibt, denen es weit schlechter geht als mir. Ich war nur ein trauriges Scheidungskind, andere Kinder konnten sterben, weil sie von einem tollwütigen Hund belagert wurden. Danach fing ich an auf Flohmärkten andere Bücher von Stephen King zu kaufen und zu lesen. King hat meine Liebe zur Literatur soweit geprägt, dass ich sogar Literatur studiere - Germanistik mit dem Schwerpunkt ältere deutsche Literatur ( denn wo sonst kommen so viele Drachen und Zauberkräfte vor als in mittelalterliche Literatur?) Mittlerweile muss ich sagen, am Meisten fasziniert mich die Tatsache, dass Stephen King es schafft eine Authentizität in einem Genre zu schaffen, dass von Irrealität lebt - Monster, Vampire, Parallelwelten wirken bei King so verdammt real, dass es vielleicht nicht wahr ist, aber doch möglich sein könnte...vor allem wenn es Nacht ist und draußen der Wind gegen die Rollläden schlägt. Falls mir tatsächlich die Ehre eines Meet and Greet zufallen sollte, würde ich es gerne in Hamburg wahrnehmen, einfach, weil es näher ist. Aber im Grunde würde ich für das Meet and Greet überall hin fahren - ich meine, es ist die Chance, King zu treffen, dafür würde ich selbst eine nichtgefundene Tür suchen, wenn es sein muss. In diesem Sinne: Lange Tage und angenehme Nächte.
Kim Denise:
Dank meinem Opa war ich schon immer eine Leseratte, selbst in jungen Jahren. Ich erinnere mich daran, dass ich viele Bücher der "Gänsehaut"-Reihe las. Irgendwann mit 13 Jahren wagte ich mich dann an mein erstes "richtiges" Buch. Es war "Dreizehn" von Wolfgang und Heike Hohlbein. Die Gänsehautbücher waren danach Geschichte. Sie hatten ihre Reize verloren. Eine Freundin von mir, die etwas älter war, half mir dann mit Literaturtipps aus und lieh mir "Sie" von Stephen King. Ich weiß noch, dass ich drei Tage und Nächte durchgelesen habe. Mit einer Taschenlampe unter der Decke, wie man es so macht, wenn man nicht ewig lang aufbleiben darf. Ich war unglaublich fasziniert und vollends ergriffen von diesem Buch. Und dieser Schreibweise. Zwar war "Dreizehn" ebenfalls ein niveauvolles Buch, "Sie" hatte aber etwas, dass ich später mit Erwachsenenliteratur identifizierte. Ich kann nicht sagen, dass ich dadurch erwachsen wurde, aber dass dieses Buch durchaus einen Punkt und eine Wende in meinem Leben darstellt, denn ab „Sie“ war ich süchtig und gefangen in der Welt der „Erwachsenenbücher“, wie meine Mutter sie nannte. Ich las viele Bücher von Stephen King (so viele, wie ich bezahlen konnte mit meinem Taschengeld, denn die Gymnasiumbibliothek führte King leider nicht). Natürlich waren zwischendurch auch andere Bücher von Interesse, aber Stephen Kings Werke ziehen sich durch mein Leben wie ein roter Faden. Es ist schön, wenn ein "Bibliografisches-Déjà-vu" zu haben, wenn man vor seinem Bücherregal steht. Natürlich mit eigener King-Abteilung. Man erinnert sich an die Zeit, wann man welches las. Und in welcher Welt man gerade lebte, mit welchen Problemen man gerade kämpfte oder in welchem Urlaub man gerade Faszinierend finde ich diese Art und Weise seines Schreibens. Er versetzt sich in Personen, mit denen man sich (auch wenn es eventuell nur ein kleiner Teil der jeweiligen Persönlichkeit ist) immer wieder identifizieren kann. Er benutzt Gefühle, die jeder kennt. Und eine Sprache, die alles beschreibt. Detailgetreu spiegeln sich Landschaften, Denkweisen und vor allem Ängste wieder. Selten habe ich Autoren gelesen, die mit so simplen und minimalistischen Dingen einen Alptraum erschaffen, der einem noch im Schlaf begegnet. Und dennoch drehen sich die Dinge immer um Menschen wie du und ich. Mit ganz normalen Problemen an (meistens) ganz normalen Orten. Es ist verblüffend, wie er es schafft, Normalität und Wahnsinn so zu verbinden, dass es absolut authentisch und passend ist. Auch zeigen seine Geschichten ein Amerika, wie es einmal war und wie ich es nicht miterleben werde. Schwarz-Weiß und bunt prallen hier aufeinander. Ich liebe diese Zeit, in der ein Großteil seiner Bücher spielen. Man fühlt sich, als wäre man ein Teil davon. So kann man sagen, er hält auch ein Zeitalter fest, geschichtlich, schriftlich und phantastisch. Details werden so hervorragend beschrieben, dass man sich in jedes Szenario leicht hineinversetzen kann. Man sieht beispielsweise die Personen in Graphic Novels (The Stand, Der Dunkle Turm), in denen man seine Vorstellung vergleichen kann. Und es ist genauso, wie King es in meinen Kopf schreibt. Auch seine Ideen und die komplexen Welten, die er erschafft, tragen so viel Gedankengut und Gewicht, dass man einfach nur sprachlos ist, von solch einem Reichtum an Phantasie. Hier ist als Beispiel „Ka“ zu nennen oder die die Ansicht einer Welt, die wie unsere ist und doch ganz anders („Mittwelt/Allwelt“). Er erfindet Sprachen (niedere Sprache/hohe Sprache) oder benutzt verschiedene und bereits bestehende Akzente aus jeder Gesellschaftsstufe. Wahre Sprachakrobatik. Unglaublich und einer der bewundernswertesten Punkte ist, wie vernetzt Kings Werke miteinander sind. Die komplette Reihe des Dunklen Turms (damals waren es sieben Bücher) verschlang ich in zwei Monaten. Und ich war und bin immer noch so unglaublich begeistert. Als ich fertig war mit den letzten Seiten fühlte ich mich tagelang leer. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Zwei Monate und tausende von Seiten lassen schon eine fast emotionale Bindung zu den Protagonisten und den Orten entstehen. Ich begann also, die Personen zu vergleichen und die Orte. Las Bücher, die ich noch nicht gelesen hatte, nur um irgendwann immer festzustellen: „Ah…das ist doch der zeichnende Junge (Patrick Danville) aus dem Dunklen Turm“ oder „Dahin verschwindet also Pater Callahan aus Jerusalem’s Lot“. Ich könnte ewig schreiben, aber ich möchte eigentlich nur damit ausdrücken, dass ich jedes Mal, wenn ich eine Person oder ein Ort wiederentdeckt habe, ein absolut großartiges Gefühl hatte, welches ich gar nicht beschreiben kann. Wie ein großes Puzzle. Auch zu anderen Büchern, Gedichten oder Vorlagen sind unendliche Bezüge vorhanden und es macht Spaß, diese Geheimnisse aufzudecken und zu erörtern. Das ist ebenfalls ein Grund, weswegen mir King niemals überdrüssig wird. Als letztes Beispiel möchte ich die Zitate nennen, die Aussagen voller Lebensweisheit, die er einbindet und in denen man gedanklich versinken kann. Ein einfaches Beispiel: „Dann geh, es gibt andere Welten als diese“ von Jake Chambers in „Schwarz“. Auch wenn ich nicht gewinne bin ich froh und dankbar, meine Gedanken teilen zu dürfen. Denn in meinem Umkreis bin ich die einzige, die King so schätzt und liest. Und es ist schön, wenn man sich einmal darüber aussprechen kann, denn seine Werke bedeuten mir sehr viel. Auch wenn ich hier als Beispiele meistens den Dunklen Turm als Vorlage nehme habe ich, bis auf sechs Bücher, alle gelesen und im Regal stehen. Doch dieses Werk hat mich richtig mitgenommen. Im positiven Sinn natürlich. Zum Ort: Ich würde gerne an dem Gewinnspiel für ein Meet&Greet in HAMBURG teilnehmen.
Ich bin die Schildkröte, mein Sohn.
Ich habe das Universum erschaffen,
aber bitte mach mir daraus keinen Vorwurf,
ich hatte fürchterliche Bauchschmerzen.
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