Misery

Hier lässt man sich über SKs Filme und seine Cameo-Auftritte aus

Re: Misery

Beitragvon Tiberius » Mi 21.Okt.2015 10:44

ich denke, die Schuldfrage ist relativ leicht. Annie hat definitiv schuld. Mann kann sie wohl als Serienmörderin einstufen, wenn die Aussagen aus ihrer Vergangenheit stimmen.

Aber zu ihrer eigenen Schuld kommt auch die Schuld ihrer Familie und ihres Umkreises. Im Wiki haben wir Eine Opferliste von Annie Wilkes. Klar kann man von außen betrachtet immer sagen 'Das hätte man doch sehen müssen', aber dass man bei einer solchen Mordserie niemals ihre Vergangenheit ausleuchtet und so auf die riesige Anzahl der Toten stößt, ist schon unheimlich. Wahrscheinlich liegt es daran, dass in der damaligen Zeit die verschiedenen Ermittlungsbehörden nicht vernetzt waren, oder dass Annie einfach Glück gehabt haben soll.

Ihre Schuldfähigkeit ist etwas ganz anderes. In meinen Augen ist sie sehr, sehr krank. Nach dem Maßstab der amerikanischen Rechtsprechung einiger Bundesstaaten wäre sie wohl zum Tod verurteilt worden. Sie ist intelligent und hat auf den ersten Blick bei den meisten Taten nicht im Affekt gehandelt.

Allerdings sehe ich das etwas anderes. Annie verdient nicht den Tod, sondern den Versuch sie zu heilen. Ich weiß, es ist schwer, an so ein Thema nicht emotionsgeladen dranzugehen (Wer denkt denn an die Opfer, an die Kinder!1elf), aber ich bleibe dabei, wenn ich Annie Krankheit unterstelle und nicht Boshaftigkeit.

Gibt es eine Aussicht auf Heilung - also auf ein Entlassen aus einer Nervenheilanstalt? Wahrscheinlich nicht, denn sie lebt schon viel zu lange mit ihrer Krankheit, in meinen Augen ist sie viel zu tief in ihrer Psyche manifestiert. Aber sie verdient Hilfe, denn in meinen Augen ist sie ihr allergrößtes Opfer.

Welche Krankheit sie letztendlich hat, kann ich nicht beurteilen. Für mich hat sie Symptome verschiedener Krankheiten. Da ist der Narzismus, denn sie ist der Mittelpunkt, sie entscheidet - in diesem Fall über das besondere Extrem, über das Leben - nur sie weiß, Paul Sheldons Talent wirklich einzuschätzen und nur sie verdient es, seinen Roman zu lesen.
Dazu kommt in meinen Augen ein hohes Maß an Shizophrenie. Nicht, dass sie mehrere Persönlichkeiten völlig unabhängig ist, aber der Wechsel den sie bei Paul vollzieht ist schon faszinierend. Im Buch gibt es die Beschreibung, was mit Pauls Daumen passiert (Hier in der Inhaltsangabe im Wiki) Das wirkt auf mich, als blende sie völlig aus, was ihre Misshandlung eigentlich bewirkt. Noch schlimmer das Hobbeln. Sie ist nach der Tat fast liebevoll zu Paul, obwohl sie zuvor in völliger Rage war. Liebevoll in meinen Augen aber nur, weil er leidet, nicht weil sie in irgendeiner Weise Schuld an seinem Leid bei sich selbst findet.
Wie schon an anderer Stelle geschrieben, zeigt sie für mich auch einiges, was man wohl im allgemeinen Soziopathie nennt. Wahrscheinlich als Art Kombination zu ihrem Narzissmus, grenzt sie sich von der Allgemeinheit ab, schließlich ist sie etwas besseres und alle Anderen sind nur darauf aus, ihr zu schaden. Sie zeigt auch keinerlei Mitgefühl als sie Krankenschwester war - schon sehr perfide, dass sie dann ausgerechnet Krankenschwester wurde, wo doch die Schwachen ihr größtes Greul sind.
Und letztendlich ein ordentlicher Schuss manischer Depression als ihr stellenweise dann doch bewusst wird, was sie da eigentlich getan hat. Das sind die Momente, wo sie sich zurückzieht, wo sie mit ihrem Suizid spielt und keine Hoffnung mehr hat.
Es gibt einige Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung, die man mit ihr in Verbindung bringen kann. Dieses völlig entrückte Bild von sich selbst, diese scheinbar unkontrollierbaren Trigger, die sie zu einer Furie werden lassen, das Denken in Absoluten bzw. Extremen.
Kommt die Bipolare Störung dazu? Ich glaube mehr und mehr, dass das durchaus der Fall sein kann. Wahrscheinlich bedingt durch die Symptome anderer Krankheiten, kann es in meinen Augen durchaus sein, dass ihre manischen Phasen sich nicht 'positiv' abspielen. Dadurch, dass sie von jeher misstrauisch jedem Außenstehenden gegenüber ist, gibt es für sie keinen Grund sich Anderen zu präsentieren.

Ich habe keine Ahnung, ob das, was ich da geschrieben habe, auch nur annähernd Sinn ergibt. Ich finde Persönlichkeitsbildung und die damit einhergehenden Fehlentwicklungen äußerst interessant, aber mehr als gefährliches Laienhalbwissen bekomme ich dann doch nicht zuverlässig hin ;)
Tiberius
 

Re: Misery

Beitragvon burninglion » Mo 26.Okt.2015 18:36

Ich denke, dass Annie's Krankheit höchstwahrscheinlich eine affektive Psychose ist. Also eben auch das Abwechseln von Manie und Depression. Sicher enthält ihr Benehmen Züge der Schizophrenie, aber ich glaube, dass man das hier eher vernachlässigen kann, oder? Denn um eindeutig eine Schizophrenie zu diagnostizieren, fehlt es, meines Wissens nach, an ziemlich einigen Symptomen und manche Smyptome sind nicht wirklich auf die Figur Annie anwendbar.

Was ich jedoch höchstinteressant finde ist der Vergleich "Drogensucht King's - Annie".
Hätte mir da vielleicht jemand den Artikel? Es wurde doch erwähnt, dass King das mal in einem Interview oder so gesagt habe. :)
burninglion
 

Re: Misery

Beitragvon Tiberius » Di 27.Okt.2015 12:26

Du hast Recht. Eine vollkommen ausgeprägte Shizophrenie ist es sehr wahrscheinlich nicht. Da passt das mit der Psychose deutlich besser.

Zu der Verbindung von King und seiner Drogensucht: Im Jahr 2006 hat das Magazin 'Paris Review' ein Interview mit ihm veröffentlicht.

Nachlesen kannst du das unter diesem Link. Wenn du dir nicht das komplette Ding durchlesen willst, einfach nach 'Annie Wilkes' suchen.
Tiberius
 

Re: Misery

Beitragvon stepfather » Do 26.Nov.2015 23:31

Ich denke Annie wird eine gespaltene Persönlichkeit haben...Müsste man in der Tat mal von einem Psychologen auswerten lassen! :)
stepfather
 

Re: Misery

Beitragvon Stockerlone » Fr 15.Jul.2022 08:18

R.I.P. James Caan
James Edmund „Jimmy“ Caan * 26. März 1940 in New York; † 6. Juli 2022 in Los Angeles

https://de.wikipedia.org/wiki/James_Caan
"Ich schreibe so lange, bis der Leser davon überzeugt ist, in der Hand eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein". ... `Stephen King´

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