Neues Pseudonym?

Hier geht es ausschließlich um die Bücher von Richard Bachman,Tabitha King, Joe Hill, Owen King, Peter Straub, John Swithen, Ridley Pearson, Stewart O´Nan und Richard Dooling

Moderator: theklaus

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon biberrulez » Fr 16.Okt.2009 11:14

medizyner85 hat geschrieben:Vor allem scheinen mir auch die "Verdachtmomente" sehr an den Haaren heran gezogen.

An den Haaren herbeigezogen scheinen mir zwei Aspekte keinesfalls.
1. Kings rätselhafte Signierstippvisite in eine australische Buchhandlung - ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Debütroman des angeblich im australischen Outback lebenden Torsten Krol erscheint.
2. Der Name Krol ist tatsächlich polnisch für König/King.

AndreLinoge112 hat geschrieben:Ich glaube aber nicht das King heutzutage nochmal mit Pseudonym schreibt. Bachman hat er begraben und King Bücher kommen ja auch in Regelmäßigen abständen... .

Bachman wurde ja u.a. ins Leben gerufen, nicht obwohl, sondern gerade weil regelmäßig King-Werke erschienen. Eine Überschwemmung des Marktes sollte verhindert werden. Zudem war Bachmans Hinscheiden auch keine freiwillige Entscheidung. :sweet

AndreLinoge112 hat geschrieben:...und noch dazu kommt das diese Geschichte sich nicht wirklich nach King anhört :-).

Eben! Das ist ja eher ein Argument für als gegen ein Pseudonym. (Es hat aber auch wenig Beweiskraft! :roll: ) Die Bachman-Romane haben ja auch einen eigenen Tonfall. Man darf eines nicht vergessen: Der Name Stephen King ist inzwischen eine Marke, an die bestimmte Vorstellungen und Erwartungen, aber auch Vorbehalte geknüpft sind. Würde sich King an Themen versuchen wie denen, die Krol in seinen ersten beiden Werken bearbeitet, dann wären potentiell interessierte Leser vielleicht durch den Namen King abgeschreckt, während Stammleser enttäuscht wären. Ein Pseudonym wäre in diesem Fall nur folgerichtig.

Ich habe bisher den Roman Callisto oder Die Kunst des Rasenmähens gelesen und gleichgültig, wer sich hinter dem Verfasser verbirgt oder nicht, es ist ein kleiner Geniestreich mit Kultcharakter. Der geistig nicht optimal ausgestattete Protagonist ist zur falschen Zeit am falschen Ort, zieht dort die falschen Schlüsse und tut aus den richtigen Gründen die falschen Dinge. Dadurch gerät er zwischen die Zahnräder von Fanatismus, Kriminalität, gesellschaftlicher Verlogenheit und - nicht zuletzt - an Hexenjagd gemahnender Terroristenhetze. Das ganze ist nicht nur hochgradig amüsant, sondern gleichzeitig packend und spannend.
Freilich, nach King klingt das inhaltlich nicht.

Aber: Der Text bewegt sich innerhalb des Kingschen Stilrepertoires. Könnte also durchaus von ihm sein. Außerdem gibt es vor diesem Hintergrund einige Momente, die aufhorchen lassen.

1. Krol ist nicht nur polnisch für König/King, sondern die Namen beider Autoren weisen die gleiche Zahl an Buchstaben auf: Torsten (7) Krol (4), Stephen (7) King (4). - Ja ja, ich weiß, nicht sehr stichhaltig. :wink:

2. Die Anzahl der Kapitel des Krol-Debüts Callisto oder Die Kunst des Rasenmähens: 19.

3. Den neunzehn Kapiteln folgt ein als Coda betitelter Anhang. Coda ist kein gebräuchlicher Terminus technicus in der Literatur. King aber gebraucht ihn innerhalb des Zyklus vom Dunklen Turm. (Und im Sinne eines Anhangs ist er mir bisher auch nur bei King begegnet. :lol: )

4. In Callisto kommt an drei Stellen ein Lied vor, das mir bisher auch nur aus kingbezogenen Kontexten (Rose Red, Sturm des Jahrhunderts) bekannt ist, gleichwohl es Teil der amerikanischen Kultur ist. Es handelt sich - bitte mitsummen - um: I'm a little teapot, short and stout, here is my handle, here is my spout.

5. Jetzt wirds etwas vertrackt. Im Deutschen erhielt der Roman Callisto den Zusatz oder Die Kunst des Rasenmähens - ein Titel, der Kingleser an den Rasenmähermann erinnern dürfte. Die Hauptfigur in Callisto bezeichnet sich selbst mehrmals als solchen. Soweit zur Vorrede. In Kings Kurzgeschichte spielt der griechische Gott Pan eine gewisse Rolle. Die Mutter von Pan - so eine Version der griechischen Mythologie - ist eine Göttin namens Callisto. Zufall? :?:

6. Der Roman Callisto ist auch eine Anklage der Folterung von Terrorverdächtigen. Dass das auch ein Anliegen von King ist, führten die King-News vom 11. Oktober 2009 nochmals deutlich vor Augen.

Fakt ist, Krols Debüt ist ungeheuer lesenswert und Kings Ouvre umfangreich genug, dass man zu jedem x-beliebigen Roman Bezüge herbrechen könnte. King aber ist ein Spielkind und - so glaube ich - würde er unter einem Pseudonym schreiben, dann würde er Hinweise wie die obigen streuen. Sie sind viel zu dünn, um als Beweise dienen zu können, aber schlagkräftig genug, um bei einem etwaiigen Aufliegen des Pseudonyms sagen zu lassen: Man hätte es wissen können.
Glaube ich, dass King Krol ist? Hm. :aehm
Aber wenn mir jemand die Pistole auf die Brust setzen würde, dann ja.

Viele Grüße!
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Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Tiberius » Fr 16.Okt.2009 13:41

Ich finde die Spekulationen sehr interessant und spannend:

nur ein kleiner Hinweis: das Teapot Lied ist durchaus bekannt. Mehr infos auf Englisch:

http://en.wikipedia.org/wiki/I%27m_a_Little_Teapot

Auch Google listet etwa 180.000 Resultate für den Song.
Tiberius
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Bob Gray » Mo 19.Okt.2009 18:04

Also jetzt bin ich neugierig und lese auch Callisto.

@Biberrulez: Wirst Du das zweite Buch von Krol "Kleine Kanibalen" lesen?

Du hast sehr viele "Hinweise" in Callisto gefunden. Vielleicht habe ich bei Kleine Kannibalen ein paar Sachen überlesen, die Dir auffallen würden.
Bob Gray
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Isy » Fr 23.Okt.2009 09:42

Ich finde, der Inhalt des buches hört sich doch sehr nach einem Pseudonym für King an... Die sind ja meistens deutlich anders als seine ,,normalen" bücher. Ich werds auf jeden fall mal lesen, wenn ich die zeit dafür finde.
Isy
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Bob Gray » Di 17.Nov.2009 15:50

Also ich hab jetzt Callisto gelesen und hab noch zwei Dinge gefunden die an King erinnern.

1. Die Red Sox sind Thema obwohl Callisto in Kansas liegt
2. Im Lieblingsroman von Odel kommt ein Rehkitz vor und das heisst "Flag". Gut ohne zweites g aber ich finde schon dass da arg viele Gemeinsamkeiten mit kingschen Büchern vorkommen.

Auf jeden Fall waren es zwei sehr gute Bücher. Solltet ihr echt lesen, egal ob King oder nicht.

Noch ein Nachtrag: In Callisto wird die "Heimatschutzbehörde" erwähnt. Ich persönlich hab noch nie davon gehört.
Aber in Die Arena kommt diese Organisation wieder vor.
Bob Gray
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Steven » Mo 22.Feb.2010 21:32

Ich hab nun ebenfalls meine undurchdringbare Abfolge im Lesen der King-Romane mit Callisto oder Die Kunst des Rasenmähens unterbrochen und war doch hellauf begeistert. Ich habe ebenfalls lediglich eine Übersetzung gelesen und vom Schreibstil her hat mich absolut nichts an King erinnert, aber die 19 Kapitel und die Red Sox sind mir auch sogleich ins scharlachrote Auge gestrochen. Die Behörde hingegen ist nicht außergewöhnlich oder fiktiv: http://de.wikipedia.org/wiki/Heimatschutzministerium
Steven
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon TimeGypsy » So 28.Feb.2010 22:04

Die "Homeland Security" taucht doch in letzter Zeit fast überall auf. In Büchern vielleicht seltener, aber es gibt kaum noch ne TV Serie, wo der Name nicht früher oder später fällt. (Stargate, 4400, NCIS, usw.)
TimeGypsy
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Dridge » Sa 02.Okt.2010 15:28

Das sind ja wirklich sehr interessante Spekulationen. Ich kann es mir dahingehend nicht vorstellen, dass King nochmal unter einem Pseudonym schreibt, da er ja schon unter seinem richtigen Namen ständig etwas veröffentlicht. So viel kann man doch dann eigentlich fast schon gar nicht mehr schreiben, oder? (Ich erinnere nur an die Gerüchte, Stephen King hätte mehrere Ghostwriter)
Was zumindest in allen King- und Bachman-Werken auffällt: Es gibt immer derartige Stellen:
erfundener Text hat geschrieben:Mach, das er aufhört
(Bring ihn um lass ihn leiden bezahlen soll er für alles was er getan hat)
mich zu quälen, dachte sie, blabla.

Ich kann mir irgendwie gerade wenig vorstellen, dass King auf dieses Mittel überhaupt verzichten könnte, eben weil es immer so oft vorkommt ^^
Dridge
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Dridge » Fr 03.Dez.2010 10:05

Hallo Leute! :)

Ich habe Callisto jetzt auch gelesen und möchte zunächst meine Amazon-Rezension online stellen:
Spoiler: zeigen
Ich komme gar nicht umhin, diesem Roman 5 Sterne zu geben. Mich hat die Geschichte sehr berüht, und zwar auf beiden Seiten.
Zum einen erinnere ich mich nicht an ein Buch, bei dem ich jemals so viel gelacht habe. Das liegt vor allem daran, dass hier nicht Pointen auf Teufel komm raus gesät werden, stattdessen ergibt sich die Komik oftmals einfach aus der Situation heraus und vor allem aus dem fantastischen Schreibstil. Dieser erweckt die Romanfigur nämlich schon mit der erste Seite zum Leben, die syntaktische Struktur und Wortwahl ist genauso, wie man es von einem weniger gebildeten Menschen erwarten würde und sorgte meinerseits oftmals für ein starkes Schmunzeln/Lachen. Dazu möchte ich erwähnen, dass ich sonst bei Büchern eigentlich nicht wirklich lachen kann.
Auf der anderen Seite stimmt einem die Geschichte auch sehr nachdenklich. Ich würde aber nicht unbedingt von Amerika-Kritik sprechen, meiner Meinung nach wird hier einfach im ganz Allgemeinen die Gesellschaft aufs Korn genommen und vor allem ihr Umgang mit "Dummen" (und zum Teil sogar geistig Behinderten, denen man die Behinderung nicht sofort ansieht und daher als "dumm" abstempelt). Vor allem das Ende hat mich tief getroffen, wie so etwas mit einem Menschen angestellt werden kann, wobei ich mir sicher bin, dass dies sogar leider zutrifft. Es war eine überraschende Stimmungsschwankung, verglichen mit dem gesamten vorigen Teil des Romans.
Ich kann dieses Buch nur allen wärmstens ans Herz legen, die sich gerne von einem Charakter gänzlich einnehmen lassen, denn Odell Deefus ist für mich schon fast die Personifizierung von Sympathie.


Ich habe noch etwas entdeckt, was man vielleicht auf Stephen King auslegen kann. Mir fällt es in vielen Stephen King-Romanen auf, dass er oft sehr amerikanische und übliche Namen nimmt, die auch in den Romanen zum Teil immer mehrmals auftauchen. Dies ist in Callistonicht so, aber ein Name ist mir dann doch aufgefallen: Ein Anhalter heißt in der Geschichte Wendell. Und dieser Name kommt ja auch in "Das Schwarze Haus" vor, und zwar in Form des Sensationsreporters Wendell Green.
Ansonsten kann ich nur den anderen Hinweisen zustimmen. Gerade das mit der Coda, okay, es ist ein musikalischer Begriff, der sicher öfters mal Verwendung findet, finde ich sehr offensichtlich. Vor allem aber, dass der Autor ein Phantom bleibt, deutet ja darauf hin, dass es sich bei diesem Namen wohl um ein Pseudonym handeln wird. Würde man mir die Pistole auf die Brust halten, würde ich ebenfalls "Es ist Stephen King" sagen, aber das ist von mir nur eine Vermutung. Ich finde vor allem die Geschichte mit dem abgebrochenen Kontakt zum Verlag auf die Frage hin, ob es sich bei Krol um SK handelt, sehr mysteriös.
Nichtsdestotrotz, selbst wenn es sich dabei nicht um King handeln würde, finde ich das Buch sehr gut und kann nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen! :)

edit: Noch eine Idee von mir in Bezug auf die Namen: Dass Krol auf polnisch König heißt, ist ja sehr interessant, vor allem fällt aber auf, dass es einen Australier geben soll, der Torsten heißt. Stephen King hat ja bereits mit Roland aus der Dunkle Turm bewiesen, dass er auf deutsche Namen zu stehen scheint.
Dridge
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Fabian95 » Mo 15.Sep.2014 10:16

Als ich hier davon gelesen hatte war ich ganz fasziniert und habe mich informiert. Leider habe ich auch nur das gefunden was hier schon besprochen wurde.
Weiß zufällig jemand ob sich in dieser Sache was getan hat. Ich meine irgendjemand wird diesen Herrn Krol (wenn es ihn denn gibt) mal gesehen oder sogar gefragt haben.
Ich denke ja das einfachste wäre wenn man Stephen King bei einer öffentlichen Veranstaltung vor vielen Menschen ganz direkt fragt ob er Krol ist. Mich würde mal interessieren was er sagen würde. :D
Fabian95
 

Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon bigben » So 02.Nov.2014 20:22

Ja, ich finde das hier auch sehr interessant! Hat jemand hier das weiter verfolgt?
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Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon blaine the ogo » So 02.Nov.2014 20:46

Habe den Thread gerade entdeckt und mir zerlesenes Exemplar von Callisto bestellt. :idea:
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Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon blaine the ogo » Do 14.Mai.2015 16:24

gerade angefangen Callisto zu lesen und was interessantes entdeckt:

Bild

Hä... da war doch was... [dejavu] *grübel*


Ach jetzt ja... :idea:

Bild
[Mr. Mercedes]

Ja ich weiss... man kann sich Zufälle dort hineininterpretieren wo es gerade passt :-P
Aber seltsam ist es schon :shock:

Eine weitere Auffälligkeit: Krol benutzt sehr viele Produktnamen, Markennamen, Firmennamen - ähnlich wie King.

Die Hauptperson ist 16 und hat "jüngere" Gedankengänge wie Kings 12 jährige in anderen Geschichten. Die klingen wesentlich erwachsener.

Ja, hier dachte ich irgendwie spontan an Blaze...
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Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Walter_Brennan » Do 14.Mai.2015 18:38

Sehr interessant, blaine :thumbs:
Ich habe bis eben noch nichts von Torsten Krol gehört/gelesen. Doch nach wenig Recherche das hier gefunden.
http://www.deutschlandradiokultur.de/ka ... _id=137705
Der letzte Absatz des Artikels deckt sich mit deinen Verdacht...

W_B
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Re: Neues Pseudonym?

Beitragvon Walter_Brennan » Fr 15.Mai.2015 07:45

Upps, es lohnt sich den ganzen Thread zu lesen... :!: :roll:
...RALLE 1973 hat den gleichen Link schon vor sechs Jahren eingestellt. :oops:

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