Colorado Kid

Diskussionen über Kings Novellen und Kurzgeschichten

Beitragvon Caulfield » Do 15.Mär.2007 18:18

King lässt in seiner Novelle das Ende weg; sie ist somit nichts Ganzes und leider nicht mal was Halbes.


So gesehen dürften aber auch andere, nicht beabsichtigte Werke ohne Ende (Fragmente, weil Verfasser tot, Bsp.: Novalis, H.v. Ofterdingen) auch keine Literatur sein...

Des weiteren, seit wann fühlt sich King eigentlich berufen, Botschaften zu vermitteln? Gehe ich völlig fehl in der Annahme, dass er sich selbst als Geschichtenerzähler begreift?


Beides schließt sich doch nicht aus, oder? (Bsp.: "Der alte Mann und das Meer"...tolle Geschichte+Botschaft)

Letztlich, bei aller Liebe zu King, bin ich selbst in meinen relativ jungen Jahren nicht auf eine seiner Geschichten angewiesen, um herauszufinden, dass das Leben nicht immer eine Antwort parat hat. Das war mir nämlich schon vor der Lektüre bekannt.


Sei doch froh, daß du reflektiert und erfahren bist. Andere müssen eben über Bücher etc. erst drauf gestoßen werden... ;)
Caulfield
 

Beitragvon biberrulez » Fr 16.Mär.2007 14:52

Caulfield hat geschrieben:So gesehen dürften aber auch andere, nicht beabsichtigte Werke ohne Ende[…]keine Literatur sein.
Ich habe ja auch nicht behauptet, Colorado Kid sei keine Literatur; ich begründe nur mein Missfallen der Novelle gegenüber mit dem „fehlenden Ende“. Klar, auch Fragmenten fehlt der Abschluss, aber es ist doch ein Unterschied, ob ein Autor, aus welchen Gründen auch immer, daran gehindert wird, sein Werk mit einem Ende zu versehen, oder aber, ob selbiges bewusst ausgespart wird. Tatsächlich muss man unterscheiden zwischen dem Ende des Werks und dem Ende der darin erzählten Geschichte. Bei einem Fragment fehlt beides, bei Colorado Kid nur letzteres, denn King hat ganz bewusst irgendwann einen Punkt gesetzt, die Novelle als vollendet erachtet und sie dergestalt dem geneigten Publikum zugänglich gemacht. Selbst das mag so ungewöhnlich nicht sein, sicherlich finden sich zahlreiche Beispiele dafür in der expressionistischen Literatur. Aber King ist nicht expressionistisch, er erzählt Colorado Kid in seinem typischen Prosastil und weckt somit Erwartungen, die letztlich nicht erfüllt werden. Es ist einfach witzlos, zahlreiche Details aufzuführen, sie am Ende aber nicht einmal annähernd zu verknüpfen.

Caulfield hat geschrieben:Beides [Geschichte+Botschaft] schließt sich doch nicht aus, oder? (Bsp.: "Der alte Mann und das Meer"...tolle Geschichte+Botschaft)
Richtig, richtig, du sagst es: "Der alte Mann und das Meer"...tolle Geschichte+Botschaft; "Colorado Kid"…keine tolle Geschichte+keine tolle Botschaft.
Ich finde es ziemlich arm, wenn ein Autor sich berufen fühlt, eine Botschaft in einen narrativen Text zu verpacken, eine Geschichte also einer Botschaft wegen zu erzählen. (Gleichwohl sich freilich in jeder Geschichte eine Botschaft finden lässt – das ist unvermeidlich.) Ich halte es da mit Douglas Adams; als dieser mal nach der Botschaft in einem seiner Bücher gefragt wurde, antwortete er: „Wenn ich eine Botschaft gehabt hätte, hätte ich sie mitgeteilt. Ich habe aber ein Buch geschrieben.“

Außerdem ist es in meinen Augen ein Armutszeugnis, wenn ein Autor sich genötigt sieht, sein eigenes Werk zu kommentieren (wie es in erwähntem Nachwort geschieht). Das ist nichts weniger als das Eingeständnis, dass das Werk nicht für sich selbst spricht und diesem die nötige Aussagekraft abgeht.

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Beitragvon Caulfield » Mo 19.Mär.2007 10:05

Außerdem ist es in meinen Augen ein Armutszeugnis, wenn ein Autor sich genötigt sieht, sein eigenes Werk zu kommentieren (wie es in erwähntem Nachwort geschieht).


Da sind wir definitiv einer Meinung...

Das ist nichts weniger als das Eingeständnis, dass das Werk nicht für sich selbst spricht und diesem die nötige Aussagekraft abgeht.


Hier allerdings nicht. Ich lehn´ mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, daß er das gemacht hat, weil er weiß, daß ein beträchtlicher Teil seiner Leserschaft nicht über den nötigen Horizont verfügt, es selbst herauszufinden... ;)
Caulfield
 

Beitragvon Iris_71 » Di 20.Mär.2007 14:30

Caulfield hat geschrieben:
Hier allerdings nicht. Ich lehn´ mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, daß er das gemacht hat, weil er weiß, daß ein beträchtlicher Teil seiner Leserschaft nicht über den nötigen Horizont verfügt, es selbst herauszufinden... ;)


Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen :greenjump:
Er hat meiner Meinung sein Werk nicht in Schutz genommen,sonder er wollte sich wohl vor der Flut Beschwerdebriefen und Fragebriefen schützen,die unweigerlich danach kamen :grinsking:
Iris_71
 

Beitragvon hotlikefire » Di 22.Mai.2007 00:25

ich hab colorado kid grad eben fertig gelesen.
und es hat mich fast verrückt gemacht....ich fands spannend.....weil ich ja doch noch die hoffnung auf ein ende hatte....obwohl man ja von anfang an darauf vorbeiretet wurde das es kein ende gibt.....
deswegen bin ich gleich hier ins forum gerannt um mehr zu erfahren.
und siehe da ich musste feststellen, dass ich die ausgabe OHNE nachwort hatte!!! so ein sch....
na ja zum glück gabs ja hier ne kurze fassung des nachwortes!!! VIELEN DANK.
jetzt meine frage: hat jemand das komplette nachwort und kann es mir per email schicken??? nur falls möglich!!!
hotlikefire
 

Beitragvon mischka » So 15.Jul.2007 19:23

also ich fands spannend und es war absolut toll geschrieben :loopy:

wir haben daheim erstmal diskutiert was geschehen sein kann...einfach super :lol2:

mischka
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Beitragvon Die schwarze 13 » Sa 21.Jul.2007 17:28

Hab CK vorgestern gelesen und ich hab keine Ahnung wie ich dazu stehe - Ich fands eigentlich spannend eben aus der oben schon genannten Hoffnung heraus es würde sich doch noch alles aufklären und dann kam die letzte Seite wie ein Schlag in den Magen.
Jedoch war ich nicht enttäuscht, aber auch nicht befriedigt - habe einfach nur gar nichts gefühlt als ich fertig war, ist miur bisher nie passiert.
Wahrscheinlich muss ich es nochmal lesen um entscheiden zu können ob es mir nun gefällt oder nicht.
Die schwarze 13
 

Re: Colorado Kid

Beitragvon AndreLinoge112 » Di 27.Mai.2008 16:35

Also ich finde es echt ein Klasse Roman von King, hat mich total an CSI Erinnert und wer sowas mag findet das Buch sicher sehr gut. Klar ist es kein Horror wie man es von King kennt, aber ich finde es echt Super, einmal Angefangen konnte ich nicht mehr loslassen.
AndreLinoge112
 

Re: Colorado Kid

Beitragvon Chaos » Do 29.Mai.2008 10:09

Durch Colorado Kid musste ich mich durchkämpfen, hat mir überhaupt nicht gefallen
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Re: Colorado Kid

Beitragvon Fropper » Fr 29.Mai.2009 18:05

Ich hab mir heute die Taschenbuchausgabe für 7,95€ geholt, sollte sie nicht eigentlich erst im Juni erscheinen?
Fropper
 

Re: Colorado Kid

Beitragvon Bachman » Sa 05.Sep.2009 21:39

Ich fand Colorado Kid schon interessant. Es ist zwar kein typischer King, aber er ist ja bekannt dafür, dass er in jedem Genre Fuß fassen kann...
Und das hat er auch in diesem Mystery-Krimi auf jeden Fall bewiesen!
Bachman
 

Re: Colorado Kid

Beitragvon Kingston » Mo 16.Nov.2009 13:48

Es ist eine sehr interessante Geschichte und es beweist, dass Stephen King sich auch leicht vom Horror entfernen kann, ohne nicht mehr "Stephen King" zu sein.
Kingston
 

Re: Colorado Kid

Beitragvon Mr. Dodd » Fr 04.Mär.2011 17:47

Ähm ja, also zum Glück nur 160 Seiten sage ich mal und damit in zwei Tagen durch. Die Handlung ist mir zu schwammig, viel zu schwach ausgearbeitet, wäre ich von King so nicht gewöhnt gewesen. Da ist zum einen das Unverständnis was so wahnsinnig unglaubwürdig an dem Fall Colorado Kid ist, irgendwie frimmelt da King soviele unnütze Überlegungen und Nachforschungen der Zeitungsfritzen ein, dass ich mich gefragt habe ob die mit Absicht ein Rätsel aus diesem Fall machen wollten. Eigentlich ist doch nur unklar was der Typ plötzlich in Maine machte, aber das Menschen plötzlich irrational handeln ist doch nichts Außergewöhnliches. Zum Glück blieb das Ende offen, das gibt mir wenigstens die Chance eine eigene Geschichte dafür zu überlegen, da King schon schön ungefähr dreihundertmal wiederholte, dass es keine Geschichte ist (aber warum dann 160 Seiten dazu schreiben?).
Offen und ungelöst wäre keine schlechte Idee gewesen, aber dieses Beispiel war mir dann doch zu plump gewählt, denn es wurde letztendlich rätselhafter und mysteriöser gemacht als es eigentlich ist.
Mr. Dodd
 

Re: Colorado Kid

Beitragvon Stockerlone » Fr 04.Mär.2011 21:44

Tja Colorado Kid :nice: KEIN Meisterwerk von SK. Aber immerhin hat der
kleine Roman ja für eine TV-Serien Vorlage gereicht :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Was natürlich wieder in Deutschland aufviel. KEINE vernünftige gebundene Auflage !!!
Wenn ich da an die DREI verschiedenen gebundenen Bücher von PS Publishing denke :hammer
Die sind wirklich superklasse, und natürlich auch in einem Slipcase...
Sowas wird es wohl in Deutschland von ´normalen´ Verlagshäusern NIE GEBEN :schuettel: :evil:
"Ich schreibe so lange, bis der Leser davon überzeugt ist, in der Hand eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein". ... `Stephen King´

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Re: Colorado Kid

Beitragvon Stockerlone » Mo 21.Jan.2013 21:12

PS Publishing is reprinting 200 copies of the version released in December 2010
(with no additional plates and no artwork/photography endpapers);
* on plain wibalin boards with endpapers the same colour as the interior text pages; and
* with the Chadbourne and the Miller dust-jackets, 100 of each.
(There are no changes being made on those.)

Price: £24.99

http://www.pspublishing.co.uk/the-colorado-kid---hc-by-stephen-king-cover-art-glenn-chadbourne-556-p.asp
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