Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon *Jo* » Di 21.Okt.2008 11:06

Hey, ganz ruhig :wink:

Ich denke, um jemanden als Nazi bezeichnen zu können, gehört doch schon etwas mehr dazu...
Zu dem von Franqueza genannten Beispiel: Auslöser des hauptsächlich verbalen Streits war doch offensichtlich der Hund, wobei die Tatsache, dass der Angegriffene ein Ausländer war, der den Hund abwehren wollte den Besitzer des Hundes noch ein zusätzliches Motiv in seiner Wut gab und ihm ein vermeintlich passendes Schimpfwort einfiel. Ob er deswegen gleich ein Nazi oder einfach nur ausländerfeindlich ist? Kann man hier wohl nicht feststellen, oder? Es wird doch nicht behauptet, dass der Hundebesitzer öfter in Konflikt mit "Polacken" geraten ist, wobei ER eindeutig der offensive Part war. In diesem Beispiel hätte es sich bei dem "Polacken" doch auch um einen Deutschen handeln können, für den der in Rage gebrachte Hundebesitzer eben eine andere Beleidigung gefunden hätte.
Solche Situationen sind doch beinahe alltäglich; sollte man aber in ihrer Schärfe und Bedrohlichkeit differenzieren. Eine mit Graffiti an eine Hauswand gesprühte eindeutige Parole: "Ausländer raus!", "Deutschland den Deutschen!" ist dann doch bedenklicher oder die Tatsache, dass auf offener Straße Ausländer einfach überfallen, verprüpgelt, ausgeraubt werden; und das nicht nur bei Nacht. So etwas gibt Anlass zur Sorge, muss im Einzelnen aber untersucht werden, um berechtigt und auch gerecht gesühnt zu werden.
Und wie auch in anderen Fällen ist Selbstjustiz menschlich gesehen zwar verständlich, vom moralischen Standpunkt aber genau das Falsche; sie schürt das entfachte Feuer; die Wut, die Feindlichkeit; den Fremdenhass einfach nur noch mehr...
*Jo*
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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon Franqueza » Di 21.Okt.2008 11:16

"In diesem Beispiel hätte es sich bei dem "Polacken" doch auch um einen Deutschen handeln können"


Ich bin sicher, er hätte dann nicht "Du scheiß Deutscher" gerufen. Ergo sieht er in der Nationalität des Ausländers eine Schwäche. Und da fängt's doch eigentlich an, oder nicht?

Betonen möchte ich, dass es kein Streit war, sondern eine einseitige verbale und körperliche Attacke.
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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon *Jo* » Di 21.Okt.2008 11:20

Hmm ...ich schätzte, Du kannst das vll. besser beurteilen, weil Du das beobachtet hast :?

Ich bin sicher, er hätte dann nicht "Du scheiß Deutscher" gerufen.


Nee, aber möglicherweise "A*rschloch!" oder sonst irgendwas ...naja, kann schon sein, dass ihm der Fakt, dass sein Feind ausländisch war, ihm gerade recht kam.
Kann da nichts weiter als Vermutungen anstellen.
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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon DePfaelzer » Di 21.Okt.2008 11:27

Ich bin sicher, er hätte dann nicht "Du scheiß Deutscher" gerufen.


naja, wenn er das gesagt hätte, hätte er sich ja genau genommen auch selbst beleidigt :wink:

die oben genannte aussage kann eigentlich nur von einem nicht-deutschen ausgesprochen werden.
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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon Franqueza » Di 21.Okt.2008 11:33

DePfaelzer hat geschrieben:naja, wenn er das gesagt hätte, hätte er sich ja genau genommen auch selbst beleidigt


Genau deswegen schwang ja in diesem meinem Satz ja auch eine gewisse verzweifelte Ironie mit.

Was ich damit zum Ausdruck bringen wollte, habe ich ja dann im zweiten Satz deutlich gemacht. :wink:
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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon Nimrod » Fr 24.Okt.2008 21:59

Man muß das ganze aber auch nicht überdramatisieren. Ich würde mich viel eher wegen der Hundeattacke aufregen. Und ich erinnere mich da an eine Aussage Rocchigianis vor dem Kampf gegen Dariusz Michalczewski (wer Fehler bei den Namen findet, darf sie behalten :P ), als dieser meinte, Dariusz wäre nur ein blöder Polacke. Die Aufregung hielt sich in Grenzen. Und nach dem Kampf mußte Graziano ja auch zugeben, dass Dariusz zwar nur ein blöder Polacke wäre, aber kämpfen könne er :lol:

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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon patronicolt » Mo 07.Dez.2009 18:38

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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon Adeptusmagus » Di 08.Dez.2009 11:11

Ich setze mich seit vielen Jahren mit dieser Thematik auseinander. Letztendlich ist es doch so, dass es keinen Sinn macht, wenn diverse Anhänger bestimmter Gruppen ständig darauf aufmerksam machen müssen, dass die Anhänger der anderen Gruppe eigentlich viel schlimmer seien usw. Außerdem sei man ja selbst kein direkter Anhänger der jeweiligen Gruppe, sondern nur Sympathisant der "theoretischen Ausrichtung" der Gruppe.
Und klar, die Polizei, der Staat, die Gesellschaft, die Medien, sie alle gehen komischerweise immer stärker gegen die eigene Denkweise vor, nicht so hart gegen die der Anderen...
Fakt ist, die Verharmlosung von Nationalsozialismus heißt vom mir aus "rechts konservativ" oder "patriotisch", die Verharmlosung von Kommunismus heißt oft "sozial denkend", "antifaschistisch" etc. Man kann prinzipiell immer alles verharmlosen. Weil sich dann 1.) die eigene Meinung in der öffentlichkeit nicht mehr so schlecht gibt, und 2.) weil es natürlich auch "harmlosere" Sympathisanten der jeweiligen Meinung gibt.

In der Antifa gibt es seit 15 Jahren eine "Gewalt-Debatte". 50% der Antifa sagt, dass Gewalt "ein legitimes Mittel zu Erreichung bestimmter Ziele" sei, während 50% sagen, dass Gewalt nie zu einem Ziel führen wird.

Bei den Nationalisten gibt es seit 2000 einen Trend, tendenziell linke Ideale als nationale Helden anzusehen. Che Guevera wird nach Auffassung vieler Nationalisten nicht mehr als "besonders links", sondern als "nationalistischer Revolutionär" angesehen.
Früher haben die Linken stark mit dem "Befreiungskampf" der Palästinenser sympathisiert, jetzt sympathisieren sie eher mit dem Recht auf Selbstverteidiung der Israelis. Jetzt tragen die Rechten Palästinensertücher (früher ein Zeichen für links), weil sich Palästina gegen die Juden wehrt usw.

Ich will damit nur sagen, dass man die beiden verfeindeten Szenen ohnehin nicht komplett voneinander trennen kann.

Es gibt den klassischen Neonazi, aber auch den "Autonomen Nationalisten", der eine sagt "Hitler war gut", der andere meint, von der Meinung müsse man abkehren.
Es gibt den klassischen Linken, aber auch den sog. "Anti-Deutschen".
Der eine kämpft gegen den Imperialismus und Kapitalismus der USA / Israel / EU usw., der Andere kämpft für Israel, USA und gegen den Islam.

Man muss sich seine Meinung schlussendlich selber bilden. Man braucht keine Selbstbezeichnungen, die in Schubladen passen. Selber denken, selbst wenn eigene Positionen vielleicht teilweise konservativ sind, andere davon links angehaucht sind, manches von einem spießig wirkt, anderes total krass. Was solls??? Besser ist immer der, der selber denkt, in meinen Augen.
Adeptusmagus
 

Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon patronicolt » Di 08.Dez.2009 15:19

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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon Adeptusmagus » Mi 09.Dez.2009 08:40

Ich weiß nicht... Der Trend scheint derzeit in eine andere Richtung zu führen. "Das Leben der Anderen", "Die Frau vom Checkpoint Charlie", "Der Baader Meinhof Komplex" sind alles deutsche Filme die sich ausschließlich dem Thema widmen, linkes Gedankengut und Kommunismus als schrecklich darzustellen, während Filmbeispiele gegen Rechts kaum noch von deutschen Filmunternehmen produziert werden. Im Gegenteil, uns wird die Mär eines sauberen Krieges offenbart. Jetzt heißt es plötzlich in jedem zweiten Spielfilm, nicht alle Deutschen waren Nazis, eigentlich wollte ja niemand den Hitler, uuups, das war ja bloß ein versehen, bla bla bla.

Den Vogel abgeschossen hat dann auch noch der peinliche Film "Operation Walküre" (kein Deutscher Film, ich weiß). In der die Verbrechen an den Juden nicht mal ansatzweise angesprochen wurden, dafür "Heldentaten" suggeriert werden, die von Menschen begangen wurden, die prinzipiell auch Nazis waren, aber weil der Karren nunmal im Dreck war, eben plötzlich Hitler nicht mehr so toll fanden...

Und außerdem geht der Trend vieler Deutschen dahin zu sagen, WIR KÖNNEN NICHTS MEHR FÜR DIE VERBRECHEN UNSERER GROßVÄTER, aber was die Engländer mit Dresden gemacht haben, ist unter aller Sau.
Adeptusmagus
 

Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon patronicolt » Mi 09.Dez.2009 16:29

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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon Kaliostro » Mi 09.Dez.2009 17:37

Also wenn jetzt noch gegen Hip Hop gewittert wird, schreite ich ein!!!
Kaliostro
 

Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon patronicolt » Mi 09.Dez.2009 19:12

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Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon steini » Mi 09.Dez.2009 21:58

Also ich finde Rassismus immer negativ, ob es von Deutschen ausgeht oder sonstwem und das auch in Deutschland ( bei uns in Jena am meisten von Russen und Italienern) . Mann sollte Rassismus auch nicht mit Nationalismus vergleichen , auch wenn dieses Wort ehr negativ gesehen wird , so hat doch jeder sein Nationalstolz mehr oder weniger.Da sehe ich das Problem in der Vergangenheit . Die natürlich sch... war keine Frage . Also in Jena (Stadtteil Lobeda West) geht der Rassismus zu 90 Prozent von den Russischen Mitbürgern aus . Mann bekommt ständig zu hören " Scheiss Kartoffel , Krautfresser und so weiter " . Da braucht sich auch keiner zu wundern wenn Junge Leute Rassistisch werden .
Grüße
steini
 

Re: Gegen Rassismus und Rechtsradikalismus

Beitragvon Kaliostro » Do 10.Dez.2009 01:45

Jep, das dachte ich mir... Rap und Hip Hop wird wieder gleichgestellt.
Aggro Berlin hat sich vor nicht all zu langer Zeit aufgelöst und einer der Frontmänner macht mittlerweile sehr kultivierte Pop-Musik. Außerdem gehts in diesem Thread um Rassismus, weder Rap noch Hip Hop verherrlicht das, nur weil mal hier mal da die N-Bombe gezündet wird heisst das noch lange nicht dass irgendwelche Völker verhetzt werden.
Kaliostro
 

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